in_this_light_and_on_this_eveningIch habe mir jetzt mal ein wenig Zeit gelassen. Seit einer Woche ist Editors neues Album draussen und ich habe es freilich gleich am Erscheinungstag als Special Digipack (dazu später mehr) erstanden. Und Voila, kein neues An End Has A Start, kein Hymnen-artiger Opener ala Smokers Outside The Hospital Door, daß muss erstmal verdaut werden.

Nein, nicht wirklich. Ich möchte das letzte Editors Album, keine Frage. Die Geradlinigkeit, die die vier Briten schon auf ihrem 2. Longplayer an den Tag legten, spielte schon in einer oberen Liga. Für meine Wenigkeit machte An End Has A Start genau da weiter, wo das Debut endete und kündigte aber auf eine gewisse Weise bereits schon einen möglichen Wendepunkt an, denn ein weiterer, ähnlicher Release hätte die Band höchstwahrscheinlich in einheitlicher Belanglosigkeit versinken lassen.

Das dachte sich die Band wahrscheinlich auch, man bricht auf in neue Fahrwasser und das recht kompromisslos wie ich finde! Editors spielen jetzt Synthesizer. Und das nicht zu knapp. Nahezu alle Reverb-Delay-Gittarren werden auf In This Light…durch künstlich erzeugte Waves ersetzt. Was Bloc Party schon seit längerem zeigen, nämlich das Indierock & elektronische Elemente perfekt zusammenpassen können, wird nun auch hier auf eine, für meine Begriffe  sehr beeindruckende Weise zelebriert.

War ich noch anfangs ein wenig “zurückhaltend” aufgrund der ersten Soundschnipsel, die man vor einiger Zeit auf dem official Editors Youtube Channel hören konnte, bin ich nun restlos überzeugt. In This Light…ist das bisher beste Editors Album! Und es ist definitiv auch das dunkeste. Schon der Opener und Titelsong schippert, sorry wenn ich das jetzt sagen muss, in Joy Division’scher Manier auf in neue, düstere Gefilde. Hier dürften sich schon einige der einstigen Fans der beiden Vorgänger etwas entäuscht abwenden. Als Entschädigung folgt mit Bricks And Mortar ein Song, der zumindest im Refrain noch an die schnelleren Nummern wie Munich oder An End Has A Start anknüpft. So weit, so gut!

Dann folgt der wohl im Vorfeld schon am meisten gehörte Song Papillon. Hier scheiden sich dann entgültig die Geister. Ein billig klingender Synthiesound, stampfende 80er Beats und das bekannte Choirpad. Das ist alles. Und es funktioniert, zumindest bei mir. Simpel aber effektiv! You Don’t Know Love schwelgt dann erstmal in reichlich Melancholie, angenehm wird die Atmosphäre schonmal ein wenig unterkühlt, passend für The Big Exit, mit dem das Album dann den dunkelsten Punkt erreicht.

The Boxer ist dann wohl der “Balladig’ste” Song auf dem Album, von hier ab gehts von der Tiefe wieder bergauf, in Richtung Tageslicht, angenehm kühl bleibt’s aber trotzdem. Hammer, weiter so! Like Treasure ist wohl neben Papillon der geradlinigste Song und könnte somit wohl eine der Singleauskopplungen werden, falls es denn welche geben wird. Das gillt auch für den vorletzten Titel Eat Raw Meet = Blood Drool. Hier gehts sofort zur Sache, es wird nicht gekleckert. HIT! Zum Schluss glänzt dann Walk The Fleet Road, als Licht am Ende des Tunnels sozusagen. Einfach nur schön, wie dieser Song das Album abschliesst. Nach den bisherigen sehr dunklen 40 Minuten wird hier als Kontrast eine herrliche Wärme versprüht die wunderbar mit Toms Bariton verschmelzt. Hier wäre jetzt eigentlich Schluss, falls man sich NICHT für die Special Edition entschieden hat. Diese enthält weitere 5 Tracks auf der zusätzlichen Cuttings II E.p.

Eigentlich Pflicht, weiss man, daß Editors in der Vergangenheit stets gute B-Sides  bzw. Songs, die es nicht auf’s Album geschafft haben, abgelieferten. So auch hier. A Life As A Ghost ist wieder so ein Stampfer, der schon, ähnlich Raw Meat..., in den ersten Sekunden alles klar macht. I Want A Forest glänzt mit einem extrem eingängigen Loop der auch schon so gut wie die halbe Miete ist und Human, mhm, könnte so auch irgendwie von Depeche Mode stammen…For The Money, der letzte Titel, übrigens auch. Hier wird zum Schluss noch mal richtig reingehauen. Meinen Nerv trifft’s aber “noch” nicht.

So, bin durch. Meine Befürchtungen, daß dieses Album in die Hose geht, waren unberechtigt. Editors festigen mit diesem Werk ihren Platz im Geschäft und machen es den ewigen Schubladen-Denkern schwer. Freut mich! Das Neue Soundgerüst passt und zeigt, welche Songwriter’ischen Qualitäten in der Band stecken, denn der unbeschreibbare Charme der Voralben ist auch jetzt wieder allgegenwärtig. Gutes Konzept & Grower-Qualitäten machen In This Light And On This Evening Für mich zu einem der Top Erscheinungen diesen Jahres.

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